Das Geheimnis der Kulturmasche wird gelüftet

Was zum Teufel ist denn nun eine Kulturmasche? Und was hat das mit kultureller Bildung zu tun? Antworten hatte ich versprochen, aber diese Fragen stelle ich mir nun auch schon, seitdem ich an diesem Blog herumwerkele.

Als ich meinen ersten Job in einem Outreach-Team für ein englisches Museum angefangen habe, gleich nach der Uni, habe ich oft mit Freunden und Kollegen diskutiert, ob meine Arbeit nicht eine Art „Leute fischen“ sei.

Museumspädagogik, so bekam ich zu hören, ist die zielgruppengerechte Aufbereitung von Inhalten für Leute, die (meist) gerne Museen besuchen und mehr wissen wollen. Für Schulen und andere Gruppen werden Programme entwickelt, die zumindest die Lehrer gerne buchen. Selten Extrawürste.

Outreach dagegen sei die zielgruppengerechte Aufbereitung von Inhalten mit dem Ziel, Leute ins Museum zu locken, die nicht im Traum daran denken würden, einen Fuß ins Museum zu setzen – eine „Masche“, eben, ein Trick, Manipulation. In Projektform, immer individuell zugeschnitten, mit kleinen Teilnehmerzahlen. Aufwändig. Teuer. Warum denn soviel Geld und Mühe investieren? Wenn sie nicht wollen, dann lass’ sie halt.

Ist das so?

In Deutschland gibt es den Begriff Kulturelle Bildung. Ein weiter Begriff. Und vielschichtig, soviel habe ich schon begriffen. Aber er sammelt auch Konzepte und Ideen, die sich mit meiner Arbeit in den Bereichen Outreach und Community Engagement in Großbritannien decken.

Also auch eine Masche (Trick, Manipulation)? Was ist damit auf sich hat, dem wollte ich nachgehen:

Was passiert in der kulturellen Bildung in Deutschland? Was wird bezweckt? Wie werden Ideen und Konzepte umgesetzt? Und wie steht im Vergleich meine Arbeit da? Ich berichte in diesem Blog.

Ich glaube übrigens nicht, dass Outreach – oder Kulturelle Bildung – eine Masche im Sinne von Trick, Manipulation ist. Mehr ein Ansatz mit Pfiff – die veraltende Bedeutung des Wortes laut Duden.

Denn für mich geht es dabei nicht nur um schnöde Besucherzahlen, sondern um die Menschen, denen ich helfe, Kultur – in welcher Form auch immer – für sich zu entdecken. Und in ihr Leben aufzunehmen. Für die Gänsehaut beim Konzert, den Museumsbesuch mit den Enkeln oder den Samstagnachmittag, der vor der Staffelei wie im Flug verging.

Dann war sie erfolgreich, die Kultur-Masche.

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Vortrag über digitale Partizipation online verfügbar

(Nicht ganz so) eilige Kurzmeldung: Mein letzter Vortrag bei der „Discovering Collections, Discovering Communities“-Konferenz, die im Herbst letzten Jahres in Birmingham von The National Archives und Research Libraries UK (RLUK) abgehalten wurde, ist jetzt auf den Webseiten von RLUK verfügbar. In dieser Ausführlichkeit musste ich mich auch noch nicht ansehen: Das Video finde ich jetzt eher vernachlässigbar, aber man kann sich durch die Präsentation klicken und eine Inhaltszusammenfassung durchlesen (und auch das Video ansehen, wenn es unbedingt sein muss).

Im Vortrag ging’s um das Programm digitaler Teilhabe, das ich zusammen mit meinen ehemaligen Kollegen des Activity Teams rund um britainfromabove.org.uk entwickelt habe und das sich an alle Arten von Freiwilligen richtete, die zu der Webseite – ein Onlinearchiv von Luftfotografien Großbritanniens aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts – einen oder viele Beiträge geleistet haben. Ich habe den Vortrag geschrieben, nachdem das Team die Arbeit gegen Projektende abgewickelt hatte, aber bevor alle Ergebnisse der abschließenden Evaluation vorlagen.

Britain from Above war ein vierjähriges Projekt von English Heritage und den Projektpartnern, die Royal Commission on the Ancient and Historic Monuments of Scotland (RCAHMS) und die Royal Commission on the Ancient and Historic Monuments of Wales (RCAHMW), gefördert mit Mitteln des Heritage Lottery Fund. Das Projekt hatte das Ziel, 95 000 der ältesten und am meisten gefährdeten Negative der Aerofilms-Sammlung, aufgenommen zwischen 1919 und 1953, zu konservieren und digitalisieren, zu katalogisieren und der Öffentlichkeit auf http://www.britainfromabove.org.uk zugänglich zu machen. Die Aerofilms-Sammlung ist eine einzigartige Sammlung von Luftbildern, die den Wandel Großbritanniens im 20. Jahrhundert dokumentiert und umfasst insgesamt mehr als 1,2 Millionen Negative, die zwischen 1919 und 2006 aufgenommen wurden.

Hier findet Ihr den Link zum Vortrag (leider alles nur auf Englisch):  http://www.rluk.ac.uk/about-us/blog/britain-above-user-engagement-digital-real-world/